PresseschauGuatemalanetz Bern / Red de Guatemala, Berna |
Guatemalas Bauernfamilien kämpfen weiterTrotz Friedensabkommen müssen Indigena- und gemischte Gemeinden weiterhin um ihr Land kämpfen: Das Recht auf Nahrung ist ein Menschenrecht, das in Guatemala für weite Teile der Bevölkerung allerdings nicht gilt.«Wir sind froh, uns im Kampf. in Guatemala nicht allein zu fühlen.» Seit Dezember 1996 ist der Bürgerkrieg, der 36 Jahre dauerte, in seinem Land beendet; für Rafael Chanchavac aber geht der Kampf weiter. Weiter geht auch die ideelle und finanzielle Unterstützung durch regionale Guatemala-Netze in der Schweiz sowie von Hilfswerken wie HEKS und Helvetas. «Solange Menschen alles riskieren, dürfen wir hier die Hoffnung und den Einsatz nicht aufgeben», sagt Karl Heuberger vom HEKS. Dort wie hier ist man sich in der Analyse einig. Zwar ist der Krieg zu Ende, unverändert geblieben sind hingegen die Ursachen: ungerechte Verteilung des Bodens, Diskriminierung der indigenen Bevölkerung, extreme Armut. «Menschenrechte sind unteilbar», und dazu gehört laut Matthias Hui vom Berner HEKS-Komitee «das Recht auf Nahrung». Deshalb sei der Kampf der indigenen Bevölkerung über Guatemala hinaus ein Kampf um Menschenrechte, «er hört nicht an der Grenze auf, sondern muss international sein». Laut Elisa Fuchs, Leiterin der HEKS-Entwicklungszusammenarbeit, «gelten Armut und Hunger oft als Konsequenz sozialer Missstände und nicht als Verletzung der Menschenrechte». Das Menschenrecht auf Nahrung postuliere den Zugang aller Menschen zu kulturell akzeptierten Nahrungsmitteln in der richtigen Menge. «Boden unter die Füsse aller!»Es ist Mitte Mai, und Rafael Chanchavac weilt als Gast von HEKS und Guatemala-Netz Bern in der Schweiz - heute hat er einen Auftritt zusammen mit den erwähnten Hilfswerkleuten im Berner Kornhaus, wo seit vierzehn Tagen die Ausstellung «Tierra de Guatemala - Auf dem Boden der Maya» anschaulich informiert über Kultur und Widerstand der Maya. Die Abendveranstaltung trägt den Titel: «Boden unter die Füsse aller! Wie das Recht auf Nahrung in Guatemala Wirklichkeit wird.» Rafael Chanchavac ist seit 1996 leitendes Mitglied der Kleinbauernorganisation CONIC und seit 1997 Koordinator des nationalen Zusammenschlusses der wichtigsten Bauernorganisationen Guatemalas (CNOC). Mit knappen Angaben skizziert er sein Leben: Zwanzig Jahre lang arbeitete er als «trabajador campesino» auf der Kaffee-Finca, auf der er geboren wurde; er konnte drei Jahre Primarschule absolvieren. 1978 engagierte er sich erstmals in einer Bauernorganisation und half 1984 auf Grund der erlebten Ausbeutung auf seiner Finca bei der gewerkschaftlichen Organisation der Landarbeiter; 1990 wurde er entlassen. Bei CONIC ist er tätig in der Kommission für Bildung und arbeitet mit CONIC-Mitgliedern in sechzehn Departementen. CONIC vertritt über 160 (Indigena- und gemischte) Gemeinden mit 60'000 Mitgliedern; sie unterstützt diese finanziell und juristisch insbesondere im Landkampf. In einem aktuellen Fall möchte CONIC von unabhängigen Fachleuten einen Pilot-Kataster der betroffenen Region erstellen lassen, damit gesicherte Landgrenzen festgelegt werden könnten. Auch die Erarbeitung des nationalen Katasterplanes dürfe keinesfalls der Regierung überlassen werden, sagt Rafael Chanchavac, der Manipulationen zu Ungunsten der Maya-Bevölkerungen befürchtet. Seiner Organisation jedoch fehlten dafür Mittel und Fachleute. Finanzielle und technische Unterstützung wünscht er sich sowohl von Hilfswerken als auch von der Schweizer Regierung. «Wir müssen über die Bücher»Ein Gespräch mit Verantwortlichen unter anderem der Abteilung für Frieden und friedensfördernde Massnahmen im Departement für auswärtige Angelegenheiten (EDA) sei hoffnungsvoll verlaufen, berichtet Rafael Chanchavac: Er rechne damit, dass Conic nun regelmässige Kontakte mit der Schweizer Botschaft in Guatemala werde pflegen können. (Madeleine Rumpf vom Guatemala-Netz Bern bestätigt wenige Monate später, auf Gesuch der Schweizer Botschaft unterstützte das EDA ein Projekt zur Förderung des staatsbürgerlichen Bewusstseins der nationalen Organisation CNOC mit 30'000 Franken.) Weiter wünscht sich der Bauernvertreter die Entsendung von WahlbeobachterInnen für die im Oktober geplanten Wahlen. (Laut seinen Informationen, so Karl Heuberger vom HEKS im August gegenüber WENDEKREIS, sei das EDA bereit, im Rahmen einer internationalen Wahlbeobachtungsmission die Teilnahme der Schweiz zu prüfen.) Weshalb, so will das Publikum im Kornhaus von Rafael Chanchavac wissen, weshalb wurde die Verfassungsreform am 16. Mai abgelehnt? Auf Grund erster Informationen gehe er davon aus, dass daran «Manipulationen und Einflussnahme auf das Abstimmungsverhalten der Leute» im Vorfeld des Urnengangs schuld seien. Es sei ihm bewusst geworden, «wie machtvoll die Regierung Einfluss nehmen kann», sagt Rafael Chanchavac, nicht ohne selbstkritisch anzufügen: «Wir müssen über die Bücher und unsere politische Arbeit anpassen.» GERLIND MARTIN |
Zuletzt geändert: 03.08.2003