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Der Bund, 27. Januar 2004
Impulse aus Adelboden
Die Landeskirche hat Elsi Josi, Hedi und Peter Grunder für ihr
solidarisches Engagement ausgezeichnet
Sie stehen auch für viele, die sich anderswo
entwicklungspolitisch engagieren: In Adelboden sind Elsi Josi und
das Ehepaar Hedi und Peter Grunder mit dem OeME-Preis für
Entwicklungszusammenarbeit der Reformierten Kirchen
Bern-Jura-Solothurn ausgezeichnet worden.
WALTER DÄPP
Da ist die 70-jährige frühere Adelbodner
Gemeindekrankenschwester Elsi Josi: Sie war von 1973 bis 1977 als
Krankenschwester in einer Leprastation in Madagaskar tätig, erlebte
dort «viel Schlimmes, aber auch viel Schönes und Positives». Nach
ihrer Rückkehr in die Schweiz war ihr klar, dass sich ihr Beitrag
an eine gerechtere Welt nicht darauf beschränken konnte, «hie und
da einen Einzahlungsschein auszufüllen».
Deshalb sei sie froh, dass sie damals zufällig in Yverdon einem
Verkaufsstand mit Drittweltprodukten (und entsprechenden
Informationen) begegnet sei. Sie habe gut «gugget» und die Idee
dann nach Adelboden mitgenommen. Und dort, in «ihrem» Bergdorf,
tat sie fortan gemeinsam mit anderen Frauen jahrzehntelang das
gleiche - mit Ausdauer und auch mit Erfolg. 1997 brachte es der
Verein Claro-Weltladen Adelboden mit seinen inzwischen schon 70
Mitgliedern sogar dazu, mitten im Dorf einen eigenen Claro-Laden zu
eröffnen. Dank vielen ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen kommt er
inzwischen auf einen Jahresumsatz von gegen 100'000 Franken und
wirft jedes Jahr auch einen respektablen Gewinn für verschiedene
Hilfsprojekte in Haiti, Brasilien und Kamerun ab.
Partnerschaft mit Purulhá
Und da sind der 71-jährige pensionierte Adelbodner
Sekundarlehrer Peter Grunder und seine 70-jährige Frau Hedi, von
Beruf Kinderkrankenschwester. Die beiden waren Ende der
Sechzigerjahre mit ihren vier Kindern in einem Schulprojekt in
Argentinien tätig gewesen, wo sie - wie sie nun sagen - nicht nur
mit unproblematischen Seiten der Entwicklungszusammenarbeit
konfrontiert wurden. Nach ihrer Rückkehr in die Schweiz blieben
für sie Themen wie Entwicklungshilfe oder fairer Handel mit der
Dritten Welt zentrale Anliegen. Peter Grunder setzte während 37
Jahren im Schulunterricht entsprechende Akzente und ist auch nach
seiner Pensionierung immer wieder Gastreferent in Schulstuben.
«Für viele Schüler», sagt er heute, «war das Thema Erste Welt/
Dritte Welt wohl allzu präsent - sie mögen es mir verzeihen.»
Grunder gehörte später zu den Mitbegründern der Erklärung von
Bern und initiierte zusammen mit seiner Frau vor sechs Jahren ein
Partnerschaftsprojekt zwischen Gemeinden und Schulen der Talschaft
Frutigen mit einer Berggemeinde in Purulhá, Guatemala.
«Unlängst», sagt er, «haben wir dort beispielsweise mit 4500
Franken zwei Bergschulen einrichten können - mit 65 Pulten, 130
Stühlen und 6 Wandtafeln. »
Nach ihrem Madagaskar-Aufenthalt habe sie «der weltweiten
Ungerechtigkeit nicht länger bloss zuschauen können, ohne aktiv
etwas dagegen zutun» , sagt Elsi Josi. Und auch für Hedi Grunder
war die Gründung einer OeME-Gruppe (für Oekumene, Mission und
Entwicklungszusammenarbeit) in Adelboden und das Mitwirken an den
Drittweltständen» eine Möglichkeit, im Kleinen «etwas relativ
Effizientes» zu tun.
19 Sportler - 430'000 Arbeiter
Mit einem grossen Anliegen ist Peter Grunder bis heute allerdings
gescheitert: Der Schaffung einer in der Verfassung verankerten
Entwicklungssteuer - in der Höhe von einem Prozent der
Steuereinnahmen. Mit der Jungen Kirche Adelboden hatte er 1965 einen
entsprechenden Impuls geben wollen, doch von 600 angeschriebenen
Pfarrern hatten ihm damals nur 30 geantwortet - und von diesen
hatten sich nur 15 für die Idee erwärmen können. Das damalige
Anliegen ist seiner Meinung aber aktueller denn je: «Es ist doch
unerträglich, dieses immer grösser werdende Gefälle zwischen Nord
und Süd zu sehen, ohne etwas dagegen zu tun. Wir tun meiner Meinung
nach zu wenig. Deshalb plädiere ich, wie vor vierzig Jahren, nach
wie vor für eine Entwicklungssteuer.»
Pointiert spricht Grunder von «idiotischen Fehlentwicklungen»
und illustriert dies mit folgendem Beispiel: «Die weltweit 19
bestverdienenden Spitzensportler kommen auf ein Jahresgehalt von
offenbar 635 Millionen Franken - das entspricht dem Einkommen von
430'000 Landarbeitern in Guatemala.»
Die Fachstelle OeME der Reformierten Kirchen Bern-Jura-Solothurn
hat ihren diesjährigen 5000-Franken-Preis für
Entwicklungszusammenarbeit nun ihnen, Elsi Josi, Hedi und Peter
Grunder, zugesprochen - «zur Förderung ihrer weiteren Arbeit».
Und sie zeichnet mit dem Preis ausdrücklich auch «die engagierten
Mitstreiterinnen und Mitstreiter in Adelboden und der ganzen
Region» aus.
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