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Guatemalanetz Bern / Red de Guatemala, Berna |
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Padre Rigoberto Perez Garrido: "Kein Friede ohne Aufdeckung der Wahrheit, keine Zukunft ohne Versöhnung." Vortrag: 16. November 1998 in der OeME, Bern |
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Padre Rigoberto stellt sich vor und dankt für die Zeit, die er hier und mit uns verbringen konnte. Es sind die letzten Stunden, die er hier in der Schweiz mit uns verbringt und er dankt, dass er mit uns seine Erfahrungen austauschen kann. Ich bin froh mit Euch das zu teilen, weil wir grosse Hoffnung auf Euch setzen, die ihr schon seit Jahren mit Guatemala verbunden seid. Ich werde versuchen ein komplettes Panorama zu geben von dem, was wir erlebt haben, wie der jetzige Moment aussieht und was wir für die Zukunft vorsehen. Im 1994 wurde der globale Menschenrechtsvertrag abgeschlossen der den ersten Schritt für ein friedliches Ende eines 36 jährigen Krieges bedeutete. Dieser erste Vertrag empfingen wir wie eine Art Morgenröte mit neuen Hoffnungen. Wir spürten, dass sich der lang ersehnte Friede näherte. Wir Guatemalteken haben jeden Tag und jede Nacht von diesem Frieden geträumt. Es gab noch viele Schatten des Todes, ein Schweigen das uns aufoktuiert wurde. Wir haben die Gesichter der Mütter gesehen, die vom Leiden zerfurcht waren, wir haben ihre Tränen in ihren Augen gesehen und wir fragten uns warum? Nachdem sie sich uns näherten und uns ins Ohr flüsterten - sie haben unser Haus verbrannt, unsere Ehemänner und Kinder getötet. Wenn sie sprachen haben wir uns gefragt: was ist Friede? Es kamen uns die Worte des alten Propheten Jesaja in den Sinn der sagt: "der Friede ist die Frucht der Gerechtigkeit." Die selben Worte des Propheten, der uns gesagt hat: " das Lamm wird mit dem Löwen zusammen leben, ohne dass dieser es verschlingen wird." Wir fragten uns auch wo ist das Wort der Opfer in diesen Friedensverhandlungen? Wir meinen es gibt keinen Frieden ohne die Stimmen der Opfer, es gibt keinen Frieden ohne geschichtliche Wahrheit. Zerstörung, Konfrontation, Blutvergiessen, Folter, Verbrechen und Tod, ist da eine Versöhnung möglich? Ist es nicht so, dass sich die Versöhnung nur erreichen lässt durch verzeihen? Wir meinen ganz klar nein! Es ist nötig, dass sich die Realitäten, die Verhältnisse sich verändern, es ist nötig, dass es Reue und Bekehrung gibt. Es ist notwendig, dass sich die Strukturen, die Apparate des Todes verschwinden, die so viele Leid erzeugt haben während diesem langen Krieg. 1995 kam die Initiative auf für dieses Projekt: "der Widererlangung des historischen Gedächtnisses," als einen Vorschlag, den Opfern ihre Würde wieder zurück zu geben und zu verstehen was geschehen ist, wie die Ereignisse passieren konnten, wer gelitten hat und wo die Verantwortlichen dafür sind. Mit dieser Arbeit haben wir die Lichter entdeckt, die uns erlauben, damit wir eine wirkliche Versöhnung erreichen können. Es war unmöglich zu vergessen, es ging nur darum, dass wir die Geschichte des Schreckens erkannten und dass wir die nötigen Anstrengungen machten, dass so was sich nie wieder wiederholt. In einer ersten Etappe wurde angekündigt und bestätigt die Struktur des Projektes. Die zweite Etappe von November 1995 bis Dezember 1996 bestand in einer langen Zeit des Anhörens. In dieser Zeit wurden mehr als 6'000 Zeugnisse, Zeugenaussagen gesammelt, in 15 verschiedenen Sprachen, unter Mitarbeit von mehr als 600 Versöhnungs-animatoren, unter ihnen Frauen und Männer, die am eigenen Leib Folter und Schmerz erlitten haben. Die dritte Etappe vom Januar 1997 bis März 1998 war die Etappe der Analyse und der Erklärung. Dafür wurden die verschiedensten Instrumente und Teams von Experten benutzt, in verschiedenen Materien und Sachbereichen, verbunden mit den Erfahrungen, Kenntnissen aus der Zeit des Krieges, die die regionalen Teams gesammelt haben. Als Resultat dieser Arbeit, die mehr als drei Jahre gedauert hat ist es gelungen Daten von mehr als 55'000 Opfern zu sammeln. (150'000 wurden umgebracht). Es wurden 524 Massaker gezählt. Massaker nennen wir jene kollektiven Verbrechen, in denen zwischen 5 und 300 Personen ermordet wurden. Frauen, Männer und Kinder an einem Tag und am selben Ort. Von diesen 524 Massakern wurden 422 untersucht. Für diese waren die Guerilla für 16 Massaker verantwortlich und identifiziert. Das Militär verbunden mit paramilitärischen Gruppen wurden verantwortlich gemacht für die verbleibenden 406 Massaker. Mit all dem sind wir uns bewusst, dass wir überhaupt nicht die ganze Realität des Krieges erfasst haben. 4 Bücher umfassen die Früchte dieser Arbeit. Es sind 4 Bände deren wir den Titel gegeben haben: " Guatemala Nunca Mas" Nie wieder. Einige kennen sie schon.
Der 1. Band der eine Analyse der Auswirkungen der Gewalt des Krieges beinhaltet. Darin wird erläutert was wurde zerstört, warum und weshalb.
Im 2. Band resultieren die Mechanismen des Schreckens. Es sind wissenschaftliche Mechanismen, es sind materielle, sowie die, der menschlichen Organisationen umfassende, unter ihnen die Militärapparate des Schreckens, die benutzt wurden, um zu zerstören, um Tod und physisches Leid, physiologisches Leid und spirituelles Leid zu provozieren. Der 3. Band ist das historische Umfeld das die Realität des Krieges gegeben und aufrecht erhalten hat. Er nennt die Gruppen und Personen und ihre Verantwortlichkeiten soweit es uns die Instrumente der Bewahrheitung erlaubt haben. Die Namen die hier enthalten sind, sind immer noch in ihrer Aktualität gültig.
Der 4. Band umfasst die Erinnerung an eine sehr lange Litanei der Opfer des Konfliktes. Darin finden sich Namen der Opfer mit Geburts- und Todestag.
Im 4. Band nachdem wir uns darüber Rechenschaft gegeben haben, wie es Bischof Gerardi es genannt hat: die schmerzliche Wahrheit, in der Erinnerung an die tiefen, blutigen Wunden des Landes in dieser Wahrheit, die alle herausfordert, haben wir einige Empfehlungen angefügt, die dazu führen könnte, dass sich das in unserer Geschichte nie wieder wiederholt. Am 24.April dieses Jahres wurde öffentlich, auf nationalem und internationalen Niveau das Resultat dieser Arbeit präsentiert. Am 26.April, 2 Tage nach der Veröffentlichung wurde Bischof Gerardi brutal ermordet, er der Kopf dieses Projektes war. Über das ganze guatemaltekische Volk brach erneut der Todesschatten herein. Dies war noch viel schmerzhafter und viel unaxetabler , denn wir glaubten ja schon in einer Zeit des Friedens zu leben nach der Unterschrift des Schlussdokumentes vom 29. Dezember 1996. Es gibt ein Bemühen der staatlichen Struktur, die darauf abzielen den Mord an Bischof Gerardi als ein gewöhnliches Verbrechen darzustellen. Sogar mehr noch, es wurden Kampagnen eröffnet, die, die Erinnerung an Bischof Gerardi als ein Märtyrer des Friedens zudecken wollten. Ihm haben sie den Leib zerstört uns wollen sie die Seele zerstören. Ich wiederhole hier ein paar Worte, die ich in einer Botschaft in Quiché verbreitet und gesagt habe. Es gibt keinen Zweifel, dass sein Tod, die Konsequenz seiner pastoralen Arbeit war, seine Arbeit der Verteidigung der Menschenrechte und als Impulsgeber des Projektes von Remhi. In all dem wollte er dazu beitragen ein anderes Guatemala aufzubauen, ein versöhntes Guatemala, ein Guatemala des wirklichen Friedens. Ich möchte schliessen, indem ich die aktuelle Situation benenne und die auch ein par Lichter der Hoffnung mit einer Botschaft von Bischof Mayo Rios dem Nachfolger von Bischof Gerardi enthalten, die er vor kurzem geäussert hat. Die Straffreiheit die bis jetzt den Mord um Bischof Gerardi umgeben und verschleiert hat. Diese Straffreiheit erlaubt weiterhin die Existenz von obskuren Gruppen, die bis heute bereit sind mit einem sehr hohen, auf Kosten von sehr viel menschlichen Leben, die Ungerechtigkeit und Furcht in unserem Land weiter zu schüren. Es ist sogar mehr, sie wollen damit ein ungeschriebenes Gesetz aufrecht erhalten, dass sie das Recht über Leben und Tod der Guatemalteken zu bestimmen. Deshalb solange diese Todesapparate nicht aufgedeckt und nicht zerstört werden, wird es in unserem Land zu keinem Übergang zu einem demokratischen Rechtsstaat kommen. Auf der anderen Seite ist es gerade der Mord an Bischof Gerardi, der die Aufmerksamkeit der guatemaltekische Gesellschaft und der gesamten Weltöffentlichkeit auf die Brüchigkeit dieses Friedensvertrages lenkt und wie dringlich es ist, die vorgeschlagenen Änderungen in den Verträgen des Friedens wirklich auch zu vertiefen. Es geht besonders darum jene Inhalte im Vertrag zu stärken, wo es darum geht die zivile Macht zu stärken und die Funktion des Militärs, des Heeres innerhalb einer demokratischen Gesellschaft zu sehen. Es geht vor allem darum die Aufgaben des Heeres, des Militärs sich von einer bewaffneten Institution, vor allem auch des Geheimdienstes sich zu konzentrieren auf die äussere Verteidigung und damit aufhören sollten in einer absoluten Diskretion zu agieren. Es geht auch um die Schaffung einer nationalen zivilen Polizei, die zu einem Modell einer zivilen Demokratie gehört. Es geht um den Aufbau eines Rechtssystems das nach den Grundsätzen der Ethik und Gleichheit eingerichtet wird. Es ist auch eine Antwort auf die dringlichen Anfragen, Bedürfnisse der Opfer, der Verbrechen, die noch täglich danach schreien in unserem Volk. Eine Rechtsprechung, eine Gerichtsbarkeit, die wirksam ist, unabhängig, flexibel um die verschiedenen Notwendigkeiten des Volkes aufzunehmen, die unsere föderaltetische Nation ausmacht. Der Friede als Realität ist noch nicht eingetroffen. Wir kämpfen weiter dafür, dass er ankommt. Es ist kein Frieden, der die Verbrechen prämiert. Es ist kein Frieden der auf den Grundlagen, den Pfeilern der Verbrechen aufbaut, die immer noch unaufgedeckt bleiben. Ein Frieden, wo das erfüllte Leben blühen kann und in dem die Gerechtigkeit für alle blühen kann. Ich höre damit auf indem ich Euch herzlich danke für die Arbeit, denn die internationale Arbeit ist sehr wesentlich, dass der Friede erreicht werden kann. Zum Schluss möchte ich noch ein Zitat bringen aus einer letzten Aktion aus der Diözese San Marcos in Guatemala. Am 11. November hat die Diözese San Marcos ein Begehren an die internationale Öffentlichkeit gebracht in Bezug auf den Fall Gerardi und in diesem Begehren fordern sie, dass von der internationalen Öffentlichkeit ein ständiger Druck auf die entsprechenden Regierungen ausgeübt wird um zu sichern, damit die Straffreiheit jener Gruppen, die noch immer in unserem Lande weiter machen, sowie sie es in der Vergangenheit getan haben, aufgehoben werden. Damit jene Personen die für Wahrheit, Gerechtigkeit und Einhaltung der Menschenrechte in unserem Lande kämpfen unterstützt werden. Es ist ein ganz besonderer Moment, wenn wir den Frieden wirklich gewinnen so gewinnen wir ihn jetzt, wenn wir ihn verlieren so verlieren wir ihn jetzt. Fragen aus dem Plenum: Wurden die Apparate vom Militär und Paramilitär, die diese Verbrechen begangen haben aufgelöst, oder existieren sie auch heute noch? Kurz gesagt, es gab eine Entmilitarisierung, die sich zwar mehr im Geheimen abgespielt hat. Die Entmilitarisierung hat einige der starken Apparate, die im Geheimen gearbeitet haben nicht berührt. Hat sich nun der Militärapparat eigentlich wieder verstärkt? So wie wir es heute sehen, nach der Ermordung von Gerardi, ist dieser Apparat noch stärker als der Präsident.
Wie schätzt man den heutigen Einfluss der katholischen, wie der anderen Kirchen in Guatemala zum jetzigen Zeitpunkt ein, nachdem wir hier eher glauben, dass nach der Ermordung von Bischof Gerardi ein Teil der Kirchen eher ängstlich und sich nicht trauen öffentlich Stellung zu nehmen ? Haben sich die Kirchen von diesem Schock erholt und sind sie nach wie vor eine Kraft im Friedensprozess? Es gab einige offizielle Dokumente von der kirchlichen Hierarchie, die sehr ermutigend und sehr inspirierend gewesen sind. In der Praxis kann man zwei Gruppen unterscheiden. Die eine Gruppe, die versucht hat diese Botschaft umzusetzen und die andere Gruppe die noch abwartet. Die Arbeit von Remhi im Speziellen wurde natürlich nur von der ersten Gruppe getragen und unterstützt und nicht von der Hierarchie als Ganzes. Während des Prozesses von Remhi wurde immer wieder versucht eine Zivilisierungs Arbeit zu machen für die Kirchen Hierarchie. Es hat nicht viel genützt bis zu der Ermordung von Bischof Gerardi, dies war jedoch ein Schlag der bis jetzt in der Hierarchie der katholischen Kirche in Guatemala noch nie passiert ist. In der ersten Zeit nach der Ermordung von Bischof Gerardi gab es eine Menge von Konfusionen und Verwirrungen, die zu widersprüchlichen Meinungen und Auffassungen führten. In der zweiten Phase geschah etwas anderes, dass die militärischen Geheimdienste auf nationaler und internationalen Ebene versuchten. Die Erinnerungen an Bischof Gerardi auszulöschen. Dies jedoch hat mehr zur Auferstehung beigetragen, als alles andere. Die Kirche nahm eine klare Haltung ein, als Padre Orantes wegen dem Mord beschuldigt und verhaftet wurde, verlangten sie, wenn sie ihn beschuldigen, so sollen sie für seine Schuld klare Beweise vorlegen. Den Satz der Rigoberto uns gesagt hat: entweder gewinnen wir den Frieden jetzt, oder wir verlieren ihn jetzt. Hat das mit der Ermordung von Bischof Gerardi etwas zu tun und zwar kommen wir zum Recht und der Mord wird aufgeklärt, oder wir öffne Tür und Tor der Willkür? Was können wir dazu beitragen und hier möchte ich konkret etwas vernehmen. Ein Punkt ist für mich ganz klar mit internationalem Druck weiter zu fahren, denn die Situation hier ist verschieden zu andern Ländern, nicht auf die Beziehung zur Regierung. Meine Botschaft wäre eigentlich die, sich in der Regierung an die Freunde des Friedensprozesses zu wenden und ihnen zu sagen, dass es keinen Frieden geben kann der auf der Grundlage von Verbrechen beruht. Die einzige Sprache die man in gewissen Kreisen der Macht in Guatemala versteht, ist die des Geldes und dass man bei Geldgaben diese an Bedingungen knüpft.Also an die Beachtung der Menschenrechte. Ich bin überzeugt, dass dies eine Wirkung zeigen würde. Ich bin auch davon überzeugt, dass internationale Aktionen, Berichte, Unterstützung von Organisationen in Guatemala dazu beitragen, dass sich die Regierung bewusst wird, das Guatemala beobachtet wird. Weil momentan die Verbrechen in Guatemala weitergehen, muss man sich bewusst sein, dass jede Aktion und Reaktion die ihr hier unternehmt Menschenleben schützt. Uns haben die Bilder auf den vier Bänden angesprochen und wir können sie auch teilweise interpretieren. Wir möchten jedoch noch etwas hören wie sie entstanden sind? Sind es Knochen, sind es Flügel auf den Bildern und was ist ihre Bedeutung? Ein Engel aus Knochen, also Flügel aus Knochen. Das symbolisiert die Opfer und ihre Angehörigen. Der Titel heisst ja "Nie wieder" das ist ja schon eine starke Botschaft über den wir viel darüber gesprochen haben bevor wir ihn ausgewählt haben. Der 1. Band heisst ja: Folgen der Gewalt. Der Mann hat den Mund bedeckt, das repräsentiert das Schweigen. So versteht man auch die Aussage von Gerardi, weil er gesprochen hat über die Opfer die getötet wurden. Der 2. Band zeigt die Mechanismen des Schreckens mit dem Engel der die Opfer, die Angehörigen und das ganze Volk von Guatemala repräsentiert und jeder und jede die sich diesen Büchern nähert deckt die Augen zu. Es hat viele Bedeutungen. Es gibt eine Bedeutung die in Guatemala sehr stark war: nicht auf die Vergangenheit, nicht auf die Geschichte, nicht auf das was geschehen ist zurück zu blicken. Zum Beispiel was uns sehr oft passiert ist, wenn wir in eine Gemeinde gekommen sind und wir gefragt haben, " was ist hier passiert", haben die Menschen die Köpfe gesenkt und die Führer die meist mit den Militärstrukturen verhängt waren haben sofort gesagt hier ist nichts passiert. Guatemala ist ein sehr schönes Land mit vielen schönen Orten und es fällt schwer zu verstehen was eigentlich in Guatemala passiert ist. Dies drückt wie gesagt aus, nicht auf die Geschichte, noch auf die Vergangenheit zurück zu blicken und überhaupt nicht schauen wollen. Der 3. Band ist also das historische Umfeld, die Geschichte. Also eine Geschichte, die wir nicht hören wollen. Es schmerzt uns darauf zu hören, aber es ist unsere Geschichte. Der 4. Band, die Opfer des Konfliktes fasst praktisch fast die ganze Geschichte von Guatemala zusammen. Die Arbeit von Remhi und von anderen Initiativen die es gegeben hat, fasst auch den Inhalt der 4 Bände zusammen und erklärt auch ein Stück weit was wir tun wollen und was den Sinn des Besuches hier in der Schweiz ist. Da macht es auch Sinn, dass man dieses Buch auf verschiedenen Ebenen in Regionen und Gemeinden überreicht, aber auch auf nationalem und internationalem Niveau. Es ist auch der Grund, dass man diese Bücher in verschiedene Sprachen übersetzt.
Ist es bewusst, dass hier das eine Bild fehlt? Ja, es war ein Notfall, man wollte mit der Zeitung möglichst rasch an die Öffentlichkeit treten und man hat von dieser Zeitung 75'000 Exemplare in Guatemala City verteilt und deshalb erschien das vierte Bild nicht.
Weitere Frage: Sehen sie die Möglichkeit diese grosse Arbeit die geschehen ist zur Aufarbeitung der Gewalt, Unrechte auch zu übersetzen in die Fragen der ungerechten Landverteilung in Guatemala, oder die Vertreibung der Menschen in Gegenden wo die Menschen nur Flüchtlinge sind. Wäre es möglich diese Arbeit auch in dieser Richtung weiter zu führen? Rückblickend bin ich mir nicht bewusst gewesen, was das für eine Arbeit bedeuten würde als das begonnen hat. Ich sehe es eigentlich erst jetzt als es beendet ist. Ich glaube es wurde vielerlei, in vielerlei Hinsicht zerbrochen. Durch diese Erfahrung ist auch viel aufgebrochen und ich bin überzeugt, dass durch unsere Erfahrungen auch andere Länder dieses Modell zur Aufarbeitung der eigenen Geschichte nutzen könnten. In einer Fernsehsendung aus Strassburg wurde unser Projekt Nunca Mas im Zusammenhang in einer ähnlichen Situation erwähnt. (2. Weltkrieg.) Etwas haben wir gelernt in diesem Prozess, dass das einzige Instrument, die Untersuchung mit den betroffenen Menschen zusammen ist. Ich bin auch überzeugt, dass dieses Modell auch auf andere Belangen, wie Flüchtlinge, Landfrage, des Bodens angewendet werden kann.
Wie wirken sich die Untersuchungen von Remhi auf die Regierung, das Militär und andere Machtgruppen aus? Der Tod von Bischof Gerardi hat eine Realität ans Licht gebracht. Von dieser Realität sind wir alle überrascht. Es macht deutlich, dass dieser sogenannte Friedensprozess in Guatemala auf einem sehr hohen Niveau geführt wurde und eigentlich noch nicht die wichtigen Themen an der Basis berührt hat. Das ist eben passiert an diesem 29. Dezember 1996 mit der Unter-zeichnung des Friedensvertrages mit der Präsenz von vielen Regierungen. In Anwesenheit der Regierung, der URNG., der UNO, und westlicher Länder, gibt es seit der Unterzeichnung keine Verletzung der Menschenrechte mehr. Die UNO. hat der Regierung von Guatemala geglaubt und hat Guatemala aus seinem Tätigkeitsbereich gestrichen und das war eine Katastrophe. Wichtig zu diskutieren wären, die Themen der Opfer, der Zivilbevölkerung im Friedensprozess. Hier klafft ein grosses Vakuum im Friedensprozess. Was wir jetzt beobachten, wenn wir die Leute der UNO-Beobachter sehen, die sich nicht annähernd der Realität aussetzen. Um so wichtiger sind die Gruppen der internationalen Solidarität. Die persönliche Erfahrung die ich in meiner Diözese gemacht habe in der Zeit wo Bischof Gerardi ermordet wurde. Es gab Drohungen, wir haben beschlossen den Bericht nicht in der Öffentlichkeit zu publizieren um nicht das Risiko einzugehen, die Leute zu gefährden. Wir haben das der UNO-Mission gesagt und sie haben das nicht geglaubt. Ich habe gesagt, dass ich nun alles schreiben und veröffentlichen werde was ich zu sagen habe und wenn mir etwas passiert sollten sie nicht sagen, dass ein Hund mich gebissen hat. Sie sehen, dass wir hier einige Kerzen angezündet haben, das Licht bedeutet das grösste Symbol der Hoffnung, auch wenn es schwierig ist momentan Hoffnung zu haben. Mit e Euch bin ich hier beim letzten Treffen bevor ich nach Guatemala zurück kehre. So wie ihr mich hier aufgenommen habt und für eure Freundschaft danke ich euch. Als Symbol der Verbundenheit bitte ich euch eine jede und jeder eine Kerze zu nehmen, diese anzuzünden und eine Minute des Schweigens für die Menschen in Guatemala und vor allem für die Opfer zu halten. Ein Chirurge hat gesagt: es gibt so viele Globalisierungen, lasst uns auch die Hoffnung globalisieren. Ich würde auch sagen man müsste die Solidarität globalisieren.
Übersetzung: Albert Rieger Tonbandaufzeichnung und Abschrift Ruedi Rumpf Guatemalanetz Bern |