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Guatemalanetz Bern / Red de Guatemala, Berna |
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DIE GESCHICHTE VON ADHAI Vereinigung für Menschenrechte |
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Anselmo Roldan Aguilar Vereinigung für Menschenrechte (ADHAI), Ixcán, Playa Grande, Quiché 26. Oktober 2001-11-03 Mit Unterstützung des HEKS-PCS Der Menschenrechtsverein des IXCAN - ADHAI- Gemeinde Unión Cuarto Pueblo, Ixcán, Playa Grande, Quiché 1. VORGESCHICHTE UND ENTSTEHUNGNach rund 36 JAHREN Krieg wird am 29. Dezember 1996 der Friedensvertrag zwischen der Regierung und der Nationalen Revolutionären Union Guatemalas (URNG) unterzeichnet. Während des Krieges kämpften die jeweiligen Regierungen in verschiedenen Phasen auf unterschiedliche Weise gegen den guatemaltekischen Widerstand: Von 1962 bis 1976 wurden immer wieder politische ExponentInnen der Gemeinden, GewerkschafterInnen und StudentenaktivistInnen gewaltsam entführt, aussergerichtlich exekutiert und ermordet. In einer zweiten Phase zwischen 1977/78 und 1982 gehen Regierung und Armee immer grausamer gegen die Opposition vor: zu den obgenannten, gegen Einzelpersonen gerichteten Menschenrechtsverletzungen kommt die Politik der verbrannten Erde: systematisch werden ganze Dörfer zerstört und die BewohnerInnen umgebracht. Gleichzeitig versucht sich die Armee, mit zivilen Aktionen in der Bevölkerung, wo sie Widerstandsherde vermutet, Glaubwürdigkeit zu verschaffen. Während der dritten Phase schliesslich werden in den Dörfern sogenannte "Patrouillen der zivilen Selbstverteidigung" (PAC) gebildet: Truppen aus zum Teil zwangsrekrutierten Dorfbewohnern überwachen im Dienst der Armee das geringste oppositionelle Aufmucken in den Gemeinden auf dem Land. Zu den am meisten vom staatlichen Terror betroffenen Gebieten gehörte die Region Ixcán im Norden des Quiché, an der Grenze zu Mexiko zwischen den Provinzen Alta Verapaz und Huehuetenango, wo die Bevölkerung direkt unter den Anti-Guerilla-Aktionen der Armee litt. Bis 1966, als die katholische Kirche und die Regierung Siedlungen in der nördlichen Grenzregion gründete, war dieses Gebiet praktisch unbewohnt. Wie der unter dem Titel "Guatemala, die Erinnerung des Schweigens" erschienene Bericht der Kommission für die historische Aufklärung (CEH) festhält, "wurde das erste Siedlungsprojekt durch den Mary Knoll-Orden mit der Unterstützung der Diözese von Huehuetenango lanciert. Der Priester Eduardo Doheny kam am 14. April aus Barillas in Begleitung von 14 Siedlern aus der Gemeinde Todos Santos in den Ixcán". Die Besiedlung wurde rasch vorangetrieben, wie es weiter unten heisst: "Im September 1969 wird Pater Doheny durch Pater Guillermo Woods abgelöst, der das Siedlungsprojekt durch ein schnelles Expansions-programm ersetzte" Der Bericht hebt das Wirken Woods` hervor, das all jenen, die ihn kannten, unvergesslich blieb, weil er im Jahre 1970 die Bildung der Genossenschaft "Ixcán Grande R.L." nach besten Kräften unterstützte, die bis heute Besitzerin der gesamten Grundstücke des Projektes ist und von einem Vorstand geleitet wird, in dem die fünf Kooperativen (Spar- und Leihkassen) vertreten sind", entsprechend den 5 Siedlungen Mayalan, Pueblo Nuevo, Cuarto Pueblo, Xalbal und Los Angeles, rund um die später weitere Siedlungen entstanden. Die Kooperative wuchs dank des Einsatzes Pater Woods` rasch: er stellte ihnen Kleinflugzeuge für die Vermarktung ihrer Produkte und die Versorgung der Genossenschaftsläden mit Waren und Funkgeräte zur Verfügung, damit sie sich untereinander verständigen konnten. 1975 wurde erstmals die Guerilla (die Guerilla-Armee der Armen - EGP) in der Ggegend aktiv, vor allem in Cuarto Pueblo. Gleichzeitig wurde die militärische Präsenz verstärkt. 1976 stirbt Pater Guillermo Woods zusammen mit vier Begleitern - gemäss Ricardo Fallas Bericht "Massaker im Urwald" weil Militärs auf das Kleinflugzeug schossen, in dem der Priester sass. Das war der Auslöser für alles, was dann in den Dörfern der Kooperative geschah. Wie bereits erwähnt, litten 1981 auch die Gemeinden des Ixcán unter den Anti-Guerilla-Aktionen der Armee: "Am 30. April griff die Guerilla in Cuarto Pueblo ein Kommando der Armee an, um deren Quartier ein- zunehmen". Am selben Tag wurden 15 leitende Persönlichkeiten von Cuarto Pueblo vom Militär umgebracht, was als das "Massaker von Cuarto Pueblo" bekannt wurde. Gegen Ende desselben Jahres erliess die Armee einen scheinbaren Waffenstillstand, plante aber in Wirklichkeit bereits Aktionen für das folgende Jahr, 1982, bekannt unter der Bzeichnung "Tiger". Die dafür verantwortliche Task Force bestand aus etwa 1`800 Mann und war in Playa Grande (im Osten von Cuarto Pueblo) stationiert, wo sie auch die ersten Massaker verübte. "Am Wochenende des 13.Februar wurden in Santa Maria Tzejá zwischen 12 und 17 Personen getötet, in Santo Tomás 27 bis 41, in San Lucas ungefähr 15 und auf dem Weg dorthin 7. Um den 20. Februar wurden in Polígono 13 bis 14 umgebracht, und am Wochenende des 27. Februar in Kaibil Balam 12 bis 14 Personen." Dann war eine Weile Ruhe, weil im Land Wahlen stattfanden, die im übrigen gefälscht wurden. Am 14. März töteten die Soldaten auf dem Weg nach Cuarto Pueblo 38 Personen im Weiler La Nueva Concepción. Wie immer sonntags versammelten sich die BewohnerInnen von Cuarto Pueblo im Zentrum des Dorfes zu religiösen Handlungen und zum Marktgang. Einige wussten bereits, dass sich die Truppen im Anmarsch befanden und flüchteten in die Berge, andere meinten, die Soldaten würden ihnen nichts tun, wieder andere wussten von nichts und nahmen die Präsenz der Truppe erst wahr, als diese zu schiessen begann. Vom 14. März 1982 bis zu ihrem Abzug am 23. März ermordeten die Soldaten in Cuarto Pueblo mehr als 400 Frauen, Männer und Kinder. Nach dem Sturz des Präsidenten Lucas García durch junge Offiziere am 23. März 1982 wurden die Massaker vorübergehend eingestellt, was den BewohnerInnen von Los Angeles und Pueblo Nuevo das Leben rettete. Motiviert wurde der Rückzug des Militärs wahrscheinlich durch mehrere Faktoren: einmal suchte man nach einer andern Taktik, zum andern hatte die Schwäche der Machtstrukturen eine ebensolche Wirkung auf den Repressionsapparat. Ganz hörte das Morden aber nicht auf: Vom 31. März bis am 2. April 1982 wurden in Xalbal und Kaibil 37 Personen getötet. Zu diesem Zeitpunkt wusste man in der Zone bereits um die Massaker, und Tausende von Menschen flüchteten in die Berge oder über die Grenze nach Mexiko. Mehr als 18 Jahre nach diesen schrecklichen Ereignissen sind die SiedlerInnen wieder auf ihr Land zurückgekehrt. Viele tragen die Erinnerung an die Massaker an ihren Angehörigen in sich, einige wurden gar selbst Zeugen der Morde, litten unter der Not, nichts als die Kleider auf dem Leib ins Nachbarland gerettet zu haben. Viele möchten die Erinnerung an ihre Angehörigen wach halten und deshalb einen speziellen Ort, wo sie die Ermordeten ehren können, um das Geschehene im kollektiven Gedächtnis zukünftiger Generationen zu verankern. 2. Die Entstehung des Vereins für Menschenrechte von Cuarto Pueblo1995 begann man in Cuarto Pueblo mit der Exhumierung der Opfer der Massaker, deren sterbliche Überreste Ende 1996 in einer gemeinsamen Grabstätte beigesetzt wurden. In diesem Zusammenhang wurde der Verein für Menschenrechte gegründet, um die Wahrheit ans Licht zu bringen und die Opfer für das erlittene Leid zu entschädigen. Mit der Unterstützung der nationalen guatemaltekischen Menschenrechts-organisation (CALDH) und der katholischen Kirche konnte sich die Vereinigung als juristische Person konstituieren und ihre Arbeit fort-führen, die in erster Linie in der Wiederaufnahme der Exhumierungen bestand. So wurden von 1999 bis 2000 die sterblichen Hüllen von 290 Opfern exhumiert. Im Juni 1999 schliesst sich der Menschenrechtsverein von Cuarto Pueblo der Koordination der lokalen Menschenrechtskomitees im Ixcán (CORDHI) zusammen und verlangt gemeinsam mit vier weiteren Vereinen die Errichtung einer Gedenkstätte im Dorf Cuarto Pueblo zur Erinnerung an die Menschen, die hier ihr Leben verloren. Da sich der Menschenrechtsverein Cuarto Pueblo aus Bauern und Bäuerinnen zusammensetzt, die nicht über die technischen Fähigkeiten zur Errichtung einer solch grossen Infrastruktur verfügen, bat man den Verein "Ideen" um Unterstützung bei der Erstellung des Budgets sowie bei der technischen Planung und Durchführung des Projektes. Bevor die Ziele des Projektes dargelegt werden, ist es wichtig, sich einige der Äusserungen in der Zusammenfassung des Berichts der Kommission zur historischen Aufklärung (Erinnerung des Schweigens) in Erinnerung zu rufen, die Aktionen im Hinblick auf das kollektive historische Gedächtnis für sinn- und wertvoll halten, "weil nur dieses verhindern kann, dass die dunkle Zeit der Vergangenheit wieder kommt, damit nicht noch einmal ausgerechnet die einfachsten Menschen, die die Erben der Früchte und des Honigs dieses Gartens namens Guatemala sind, in tiefstes Leid gestürzt werden". Im oben erwähnten Bericht hält die Kommission für die historische Aufklärung fest, dass "Guatemala wunderschöne Epochen gekannt hat seit der Zeit der Maya vor tausend Jahren bis in unsere Zeit; dass sein Name gerühmt wurde für seine wissenschaftlichen Errungenschaften, seine Werke, seine Kunst, für seine bekannten und weniger bekannten Männer und Frauen, ehrenhaft und friedfertig, für die Verleihung des Nobelpreises für Literatur und des Friedensnobelpreises", dass es aber auch dunkle Seiten im Buch dieses Landes gibt. 1997 wurde im Gedenken an den 36 Jahre dauernden bewaffneten Konflikt die Menschenrechtsvereinigung des Ixcán - ADHAI - gegründet. Zu Ende des bewaffneten Konfliktes kam es zu zunehmenden Bedrohun-gen der Menschenrechte, der Gedankenfreiheit, der Vereinsfreiheit; man verbot uns, uns zu organisieren. Unter diesen Voraussetzungen entstand die Menschenrechtsvereinigung des Ixcán, ADHAI. 3. Was tut der Menschenrechtsverein?Als gemeinnützige Menschenrechtsorganisation fördern wir Exhumierungen, die Ausstellung von Totenscheinen für die im Krieg Verstorbenen, zeigen Menschenrechtsverletzungen an, begleiten Personen aus dem Dorf, die die ADHAI um Unterstützung bei verschiedenen Geschäften ersuchen, strengen Strafprozesse an im Bemühen um Gerechtigkeit im Fall von Menschenrechtsverletzungen, Verbrechen gegen die Menschlichkeit und Völkermord, die während der bewaffneten Konfrontation verübt wurden, wir überwachen die Einhaltung der Friedensverträge, kümmern uns um Dienstleistungen für die Gemeinde wie die Trinkwasserversorgung und fördern die Koordinierung mit andern organisierten Sektoren der Gemeinde, unter anderen mit den Lehrern und der Leitung der Kooperative. 4. Die Leistungen des Vereins
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