Guatemalanetz Bern / Red de Guatemala, Berna

Verleihung Förderpreis für Entwicklungsarbeit
an Madeleine und Ruedi Rumpf

Am 15. November 2001 wurden Madeleine und Ruedi Rumpf mit dem «Förderpreis der Fachstelle OeME» der Reformierten Kirchen Bern - Jura ausgezeichnet. Damit werden der zehnjährige, wegweisende Einsatz dieser Basisbewegung für Gerechtigkeit, Frieden und Menschenrechte in Guatemala und das vorbildliche und beharrliche Engagement gewürdigt.

 

  Netze der Hoffnung knüpfen (vice-versa der OeME, Dez. 2001)
  Presse-Communiqué (16. Nov. 2001)
  Urkunde Förderpreis (20. Nov. 2001)
  Interview mit Madeleine und Ruedi Rumpf in BZ (7. Jan. 2002)

 

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vice-versa (OeME), Dezember 2001

Netze der Hoffnung knüpfen:

Madeleine und Ruedi Rumpf:

Gerlind Martin

1987: Madeleine und Ruedi Rumpf begleiten zwei Maya-Frauen aus Guatemala bei Besuchen in bernischen Kirchgemeinden. Die Frauen informieren über den Völkermord in ihrem Land, berichten vom schwierigen Leben nach all diesen Gräueln, von der Arbeit der Basisorganisationen. Beim Abschied, nach einem Monat, sagt Juana Camposego: «Ich weiss nicht, ob unsere Botschaft in der Schweiz verstanden worden ist.» Zwei Jahre später bringt das Ehepaar Rumpf von einer HEKS-Reise die dringende Bitte guatemaltekischer Frauen mit: «Erzählt in euren Gemeinden von uns!» Und Madeleine und Ruedi Rumpf machen sich, zusammen mit einer kleinen Gruppe Gleichgesinnter, an die Arbeit.

«Wer von Guatemala zurückkommt, stellt vieles hier in Frage», erinnert sich Ruedi Rumpf an die Folgen jener ersten Reise. Im Beruf verpflichtet, stets neue Konsumtrends zu erahnen, bereitete es ihm zusehends Mühe, «dass hier ständig neue Produkte entwickelt werden». Das Guatemala-Engagement ist denn auch nicht der erste Einsatz des Ehepaares zugunsten anderer Menschen. In der Kirchgemeinde Ostermundigen sind sie seit vielen Jahren aktiv, unterstützten zum Beispiel tamilische Flüchtlinge politisch und im Alltag: seit 1986 ist Madeleine Rumpf unter anderem Synodale. «Flüchtlinge öffneten vielen in der Schweiz die Augen für Ungerechtigkeiten hier und andernorts - und für die zu Grunde liegenden Zusammenhänge», sagt sie.

1992 dann ist das Guatemalanetz Bern, mit Hilfe von HEKS und OeME Bern, geknüpft. Madeleine Rumpf erhält als seine erste Koordinatorin 25 Stellenprozente für die «Verankerung der HEKS-Guatemala-Arbeit in den Kirchgemeinden durch Begleitung, Information, Unterstützung». Der kleine Büroraum m ihrer Wohnung belegt eindrücklich, wie leidenschaftlich sich das Ehepaar dem Guatemalanetz angenommen hat: Er ist platschvoll mit Papier. Fotografien, Kunstgegenständen und Plakaten, welche, grösstenteils wohlgeordnet, die jährlichen Seminare, die Gästereisen, öffentlichen Auftritte, Schulbesuche und die ökumenische Zusammenarbeit mit anderen Organisationen dokumentieren. An über 200 Adressen gehen die regelmässigen Informationen, gut 100 Adressen können für Dringlichkeitsappelle mobilisiert werden, 15 bis 20 Personen nehmen an den monatlichen Sitzungen teil. «Viele junge Leute arbeiten mit, Ex. RückkehrbegleiterInnen Cosar», sagt Madeleine Rumpf erfreut, «jede Person entsprechend ihrer Gaben», fügt ihr Mann an. Dennoch, sagt er, müssten die Arbeiten noch besser verteilt werden, «denn was wir erledigen, kann eine Person alleine nicht übernehmen». In der letzten Rechnung haben sie erstmals ihre gratis Zusatzarbeit ausgewiesen: plus 50 Prozent.

Der Friedensprozess in Guatemala erleidet immer wieder Rückschläge. Daraus, wie die PartnerInnen vor Ort, die Freunde, damit umgehen, schöpfen auch Madeleine und Ruedi Rumpf Kraft: «Viele sind fröhliche Menschen, sie sagen uns: Wieso sollten wir nicht fröhlich sein, wir müssen das Schwere ja auch tragen.» Wenig verwunderlich lautet ein Motto des Guatemalanetzes Bern: «Knüpft Netze der Gerechtigkeit - Knüpft Netze der Hoffnung.»

 

Am 15. November 2001 wurden Madeleine und Ruedi Rumpf mit dem «Förderpreis der Fachstelle OeME» der Reformierten Kirchen Bern - Jura ausgezeichnet. Dieser erstmalig verliehene Preis von Fr. 5'000.- kommt der Arbeit des Guatemala-Netzes Bern zugute. Damit werden der zehnjährige, wegweisende Einsatz dieser Basisbewegung für Gerechtigkeit, Frieden und Menschenrechte in Guatemala und das vorbildliche und beharrliche Engagement von Madeleine und Ruedi Rumpf gewürdigt.

 

Communiqué

Datum: 16. November 2001

Kampf für Gerechtigkeit als Lebensaufgabe

Förderpreis für die Arbeit im Guatemala-Netz Bern

Erstmals verlieh die Fachstelle OeME (Oekumene, Mission und Entwicklungszusammenarbeit) der Reformierten Kirchen Bern - Jura den Förderpreis für Entwicklungsarbeit. Der diesjährige Förderpreis wurde an Madeleine und Ruedi Rumpf vom Guatemala-Netz Bern verliehen.

Gemeinsam mit verschieden MitstreiterInnen gründeten Madeleine und Ruedi Rumpf vor zehn Jahren das Guatemala-Netz Bern. Ihr Ziel ist die politische und kirchliche Bewusstseinsbildung sowie die Informations- und Solidaritätsarbeit. Für Madeleine und Ruedi Rumpf sind Solidarität und der Kampf für gerechtere Verhältnisse zur Lebensaufgabe und Lebenshaltung geworden. Für ihre Arbeit sind sie ständig unterwegs, empfangen Gäste und veranstalten Gottesdienste in verschiedenen Kirchgemeinden im ganzen Kanton Bern.

Seit zehn Jahren zeigt das Guatemala-Netz beispielhaft, was es heisst für Friede einzustehen. Mit der Verleihung des Förderpreises soll das enorme Engagement für Menschenrechte und die kämpferische aufwendige Kleinarbeit von Madeleine und Ruedi Rumpf honoriert werden. Der Preis soll weiter als Anreiz für ähnliche Organisationen in unserer Region verstanden werden.

Für das Guatemala-Netz ist der Förderpreis von grosser Bedeutung. Nicht nur die finanzielle Unterstützung sondern auch die Anerkennung in der Öffentlichkeit ist für die schwierige Arbeit wichtig.

Im Vorfeld der Verleihung besuchte das Ehepaar Rumpf mit zwei Gästen aus Guatemala verschiedene Kirchgemeinden im Kanton. Teresa de Jesus Rafael und Anselmo Roldan Aguilar stammen beide aus dem Dorf Cuarto Pueblo, das 1982 Schauplatz eines schrecklichen Massakers war. Nach der Flucht nach Mexico kehrten sie 1993 in ihr Heimatland zurück. Seither setzen sie sich für die Einhaltung der Menschenrechte und Gerechtigkeit in ihrem Land ein. Für ihre, teilweise lebensgefährliche Arbeit, ist die Hilfe aus der Schweiz sehr wertvoll. Sie wünschen sich eine verstärkte Solidarität und möchten in der Schweiz auf die Situation in ihrem Land aufmerksam machen.

Die Preisverleihung fand am 15. November in der Cinématte Bern statt. Der Preis kommt der Arbeit und den Projekten des Guatemala-Netz zugute.

Sachbearbeiterin: Pascal Schütz