«GANARÉ, PRIMERO DIOS!»
WAS GESCHIEHT MIT RÍOS MONTT?
"Ich
werde gewinnen, so Gott mir helfe", sagte Ríos Montt noch ein paar Tage
vor den Wahlen. Zwar sagten schon die Ergebnisse der Umfragen voraus, dass er
die Wahlen nicht gewinnen würde, doch kämpfte er bis zum Schluss. Indem er
sich einen Sombrero (Hut) aufsetzte, wie ihn die Bauern Guatemalas tragen, die
Reichen beschimpfte und den ehemaligen Zivilpatroullien Ausgleichszahlungen für
ihren "Dienst" im Bürgerkrieg zusicherte, versuchte er die Stimmen
der Landbevölkerung zu fangen. Gleichzeitig schüchterte die Basis der von ihm
in den 80er Jahren gegründeten Partei Republikanische Guatemaltekische Front
(FRG) viele Gemeinden ein, indem sie damit drohten, die Programme der
Entwicklungshilfe nicht fortzuführen (Gemeinden des Quiché), das Rathaus
abzubrennen (San Luis Jilotepeque, Jalapa) oder den Untergeordneten des Obersten
Wahltribunals zu lynchen (Las Monjas, Jalapa), sollten ihre Kandidaten für die
Bürgermeisterämter nicht gewinnen. Es kursierten Gerüchte, dass die Wahlen
mit Kameras überwacht würden, dass die FRG einen Stromausfall bei der
Auszählung der Stimmen plane (Monjas, Jalapa), dass es zu einem Staatsstreich
kommen würde pp. etc. Auch diese Wahl bestätigte, dass Guatemala ein Land der
bolos, balas und bolas (Betrunkenen, Kugeln und der GERÜCHTE) ist. Wie alle
anderen Parteien, die es sich leisten konnten, kaufte auch die FRG die Stimmen
der armen Landbevölkerung mit einem warmen Essen, Lebensmittel, etwas Geld und
vor allem Versprechen, stellten Transportmittel zur Verfügung und machten
teilweise auch noch in den Wahllokalen Werbung für ihre Kandidaten. Trotz aller
Versuche die Präsidentenwahl zu gewinnen, erhielt der 77 jährige Ex-Diktator
jedoch "nur" 16% der Stimmen. Damit steht er an dritter Stelle hinter
dem konservativ-liberalen Oscar Berger (37%) und dem Mitte-Links Kandidaten
Alvaro Colóm (27%), der bei der letzten Präsidentschaftswahl für die URGN,
der Partei der ehemaligen Guerilla kandidierte. Nur in zwei der elf Departments
konnte Ríos Montt die relative Mehrheit erziehlen, in den am meisten vom
Bürgerkrieg betroffenen Regionen: Huehuetenango und El Quiché. Die beiden
ersten Kandidaten werden am 28. Dezember zur Stichwahl antreten. Damit ist Ríos
Montt nun endgültig raus aus dem Rennen. Er wird am 14. Januar seine Immunität
verlieren und kann dann für die ihm zugeschriebenen Verbrechen zur Rechenschaft
gezogen werden. Diese reichen von seiner erzwungenen Kandidatur als
Präsidentschaftskandidat durch eine Schar von mehr als 200 schwer bewaffneter
vermummter Menschen, die am 24. Und 25. Juli 2003 das Oberste Wahltribunal und
das Verfassungsgericht zwangen, seine Kandidatur anzuerkennen, bis hin zu
Völkermord an den indigenen Völkern Guatemalas. Während seiner Regierungszeit
von 1982/83 wurden durch seine Politik der "verbrannten Erde" mehr als
440 Dörfer vernichtet und tausende von Menschen vertrieben. Die
Friedensnobelpreisträgerin Rigoberta Menchú Tum und andere Menschenrechtler
haben schon angekündigt, ihre klagen so weit vorzubereiten, dass sie Ríos
Montt noch am 14. Januar festnehmen lassen können. Doch ist nicht damit zu
rechnen, dass er sich so einfach festnehmen lassen wird. Schon eher wird er
vorher ins Ausland gehen, vielleicht nach Panamá, in die USA, nach Taiwan oder
Israel. Denkbar wäre auch ein Staatsstreich, bevor seine Immunität abläuft,
wobei er dazu genügend Unterstützung im Militär bräuchte, die ihm derzeit
nur wenige zusprechen. Falls er doch in Guatemala vor ein Gericht kommen sollte,
kann er immer noch auf die Bestechlichkeit der Gerichte, Staatsanwälte und
Ärzte hoffen, die schon so manchen Schwerverbrecher freigelassen oder als
verhandlungsunfähig erklärt haben.
Zu hoffen bleibt, dass all die bösen Vorahnungen nicht Realität werden und
durch ein gerechtes Urteil, den Opfern des Bürgerkrieges zumindest teilweise
die Würde wiedergegeben wird. Die Anerkennung der Verantwortung von Ríos
Monttfür die Verbrechen des Völkermordes und der Menschenrechtsverletzungen
während des Bürgerkrieges in den Jahren 1982/83 kann zur langfristigen
Stabilisierung der Demokratie in dem vom Bürgerkrieg zerrütteten
mittelamerikanischen Land einen wesentlichen Beitrag leisten.
Guatemala feierte Wahlen als ein grosses ziviles Fest - trotz endlosen
Warteschlange vor den Wahlurnen
Zusammenfassung:
Liberaler Konservativer Kandidat Osacar Berger führt mit rund 8 % der
Stimmen vor Mitte-Links Kandidat Alvaro Colóm .
Stichwahl am 28. Dezember.
Für Menschenrechtler wichtigste Ergebnis: Ríos Montt aus dem Rennen.
Aktualisierung der Wählerlisten führten zu Chaos und langen
Warteschlangen in den Wahllokalen und verhinderte die Ausübung des Wahlrechtes
tausender Guatemalteken.
Dennoch verliefen die Wahlen insgesamt ruhiger als von den meisten
erwartet.
Am Sonntag, den 9. November fanden in Guatemala fünf Wahlen gleichzeitig
statt: Der Präsident und Vizepräsident, die Abgeordneten des Kongresses,
Bürgermeister und Stadträte und Abgeordnete für das Zentralamerikanische
Parlament wurden neu gewählt.
Ergebnisse:
Den letzten Ergebnissen des Obersten Wahltribunals (TSE) zufolge erhielten
bei der Präsidentschaftswahl Oscar Berger der Parteienkoalition Grosse
Nationalalianz (Gana) 34,46%, Alvaro Colóm der Nationalen Einheit der Hoffnung
(UNE) 26,48% und Ríos Montt der Republikanischen Guatemaltekischen Front (FRG)
19,22% der Stimmen. Damit scheidet Ríos Montt aus der Stichwahl am 28. Dezember
aus. Die FRG konnte nur in zwei der 22 Departments die Mehrheit bei den
Präsidentschaftswahlen auf sich ziehen, die anderen 20 Departments fielen zur
Hälfte der UNE und zur Hälfte der GANA zu. Bei der Wahl der Bürgermeister und
Stadträte verzeichnete die FRG jedoch die Mehrheit der Stimmen in 87 der
insgesammt 331 (37%) Gemeinden die Mehrheit. In 25,5% der Gemeinden gewann die
Gana, in 11, 5% die UNE und in 10,2% der Gemeinden die Nationale
Fortschrittspartei PAN.
Zum ersten mal seit langer Zeit konnte keine Partei die absolute Mehrheit im
Parlament erhalten. Die FRG erhielt mit 45 Sitzen die meisten Abgeordneten im
Parlament, die Gana erhielt 43 Sitze, die UNE 33 und die PAN 20, die restlichen
Parteien erhielten unter 10 Sitze. Bei den Wahlen für das Zentralamerikanische
Parlament erhielt die GANA 25,58%, die FRG 20,30% und die UNE 18,38%.
Chaos und lange Warteschlangen durch fehlerhafte Aktualisierung der
Wählerlisten
In mindestens sieben Gemeinden kam es am Tag der Wahlen zu Unruhen: Aus Unmut
darüber, dass viele aufgrund der fehlerhaften Aktualisierung der Wählerlisten
durch das Obersten Wahltribunals nicht wählen gehen konnten, wurden Wahlurnen
verbrannt, um die Wahlen so für ungültig zu erklären und sie wiederholen zu
können. In weiteren 20 Gemeinden kam es nach den Wahlen zu
Auseinandersetzungen, da die Ergebnisse von den Verlierern nicht anerkannt
wurden. Ursache dafür sind unter anderem ebenfalls die Fehler, die bei der
Aktualisierung der Wählerlisten auftraten. Diese verursachten im ganzen Land
Chaos an den Wahltischen: Viele standen fünf bis sieben Stunden lang an
falschen Tischen an, wurden von einem Tisch zum nächsten geschickt und Tausende
konnten letztendlich nicht wählen oder gaben irgendwann enttäuscht auf. Allein
in Monjas, Jalapa fanden sich die Namen von mehr als 1000 Personen nicht in der
Wählerliste wieder. Erfreulich war die grosse Teilnahme trotz der langen
Warteschlangen und der Fehler in den Wählerlisten insgesamt, die auf rund 58%
geschätzt wird. Zu beklagen ist auch der Tod von insgesamt drei von den
Warteschlangen erdrückten Frauen und einem Kind und ein Attentat auf einen
Kandidaten fürs Parlament der UNE ein Tag vor den Wahlen. Den Gerüchten und
Drohungen entgegen verlief die Wahl jedoch mit Ausnahme des Verbrennens der
Wahlurnen, ein paar Stromausfällen und einigen Auseinandersetzungen der
Anhänger verschiedener Kandidaten ruhig. Weder die ehemaligen Zivilpatroullien
noch andere Banden machten ihre Drohungen war. Allem in allem verlief die Wahl
ruhiger als die meisten angenommen hatten. Dies kann unter anderem auf die hohe
Präsenz von nationalen und internationalen Wahlbeobachtern zurückgeführt
werden. Wenn jemand die Wahlen beeinflussen wollte, musste er dies vorher tun.
Der drastische Gewaltanstieg in diesem Jahr kann durchaus als Strategie
verschiedener Parteien die Wahlen zu beeinflussen angesehen werden.
Vorwahlperiode von Gewalt überschattet
Die Vorwahlperiode wurde von Gewalt überschattet. Nach amnesty international
ist das Jahr 2003 das blutigste nach ende des Bürgerkrieges 1996. Seit Beginn
des Jahres wurden 11 politische Führer ermordet, darunter allein sechs
Parteiführer der linken ANN, Alianz Neue Nation. Die meisten Morde werden der
FRG zugeschrieben. Viele Kandidaten wurden durch die erhöhte Gewalt und
Kriminalität so schon im Vorfeld eingeschüchtert oder zum Rückritt gezwungen.
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